Tautropfen

Bodhisattva Maitreya
(jap. Miroku, wörtl. “Der Liebende”)
wie nie gewesen. In der zerbrechlich kurzen Spanne seines Daseins aber spiegelt er die ganze Welt in kristallener Klarheit. Die kurzen Texte auf dieser Seite mögen dem Leser zu Tautropfen werden und zur Motivation auf dem Übungsweg.
Zum Jahresbeginn 2012
Der Schatten des Bambus fegt die Stufen,
doch der Staub rührt sich nicht.
Die Scheibe des Mondes zieht über den Teich,
doch das Wasser zeigt keine Spur.
Obwohl das Wasser rasch fließt,
ist die Landschaft stets ruhevoll.
Obwohl immer wieder Blüten fallen,
ist das Herz ganz von selbst in Frieden.
Würden die Menschen diese Gedanken beherzigen,
entsprechend reagieren und Äusserem begegnen –
wie frei wären sie doch an Leib und Herz.
(aus dem Saikontan des Weisen Hung Ying-ming aus dem 16.Jh.)
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man DEMUT.
Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.
Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !
Charlie Chaplin
Mein bisschen Freude vergeht oft,
weil ich auf eine größere oder mehr Freude aus bin;
dabei war das “bisschen Freude” schon die ganze Freude.
Peter Handke
was sich ihrer Meinung nach
in dieser krisengeschüttelten Welt
als erstes ändern müsse.
Ihre Antwort war: “Sie und ich”.
Ein Lächeln zum Weiterreichen
Pummerer, in morgendlich heiterer Ruh,
lächelte seinem Nachbarn Mommer zu.
Dieser, durch das Lächeln ebenfalls heiter,
gab es an den Straßenbahnfahrer weiter,
der an die kleine Verkäuferin
und die
an Herrn Degenhardt von der Drogerie,
dieser an Schwester Elke vom Kinderhort,
diese an die Toilettenfrau - - - und so fort.
So kam es schließlich irgendwann
spätnachmittags am Schillerplatz an
bei einem im Augenblick traurig-tristen
durch das Lächeln jedoch erheiterten Polizisten,
so dass der, als Pummerer den Verkehr blockierte,
den Verstoß nur mit einem Lächeln quittierte.
Otto Heinrich Kühner
anderen Welten,
wir brauchen Spiegel.
Stanislaw Lem (1921-2006)
Die sieben Todsünden unserer Zeit
Reichtum ohne Arbeit
Genuss ohne Gewissen
Wissen ohne Charakter
Geschäft ohne Moral
Wissenschaft ohne Menschlichkeit
Religion ohne Opfer
Politik ohne Prinzipien
Mahatma Gandhi
Auch am Neujahrstag
dreht die Erde sich herum -
auch am Neujahrstag
Wafu
Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben; Sie haben meine Phantasie beflügelt.
Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten; Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.
Ich danke allen, die mich belogen haben; Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.
Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben; Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.
Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben; Sie haben meinen Mut geweckt.
Ich danke allen, die mich verlassen haben; Sie haben mir Raum gegeben für Neues.
Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben; Sie haben mich wachsam werden lassen.
Ich danke allen, die mich verletzt haben; Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.
Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben. Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.
Vor allem aber danke ich all jenen, die mich lieben, so wie ich bin; Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke.
Paulo Coelho
Kein Himmel
keine Erde - aber immer noch
fallen Schneeflocken
Hashin
Ein Schneekristall lag
mir auf der Hand, ewig schön
eine Sekunde
Josef Guggenmos
Ein Mond
scheint
aus jedem Teich;
in jedem Teich
der eine
Mond
Soiku Shigematsu
Ohne Gedanken
wandelt sich Nachbars Garten
in ein sattes Grün
William J. Higginson
diesen Duft verströmt,
ist mir nicht bekannt
Basho
Feuerbündel
- Magnolienblüten
Asuka Nomiyama
Selbst ein namenloser Bach
flößt uns Schrecken ein
Buson
“Freude!”
“Und was ist Freude?”
“Die Erkenntnis, daß alles zu verlieren
nichts weiter bedeutet als
ein Spielzeug verloren zu haben”.
Anthony de Mello
Der wahrhaft Edle predigt nicht, was er tut,
bevor er nicht getan hat, was er predigt.
Konfuzius
entweder so, als wäre nichts ein Wunder,
oder so, als wäre alles eines.
Ich glaube an Letzteres.
Albert Einstein
beim Essen nur essen
beim Sprechen nur sprechen
beim Lachen nur lachen
dann üben Sie Zen
Nagaya Roshi
jetzt weiß ich wie schmutzig ich bin.
Nagaya Roshi
Wir müssen uns zuerst sammeln,
bevor wir helfen können.
Nagaya Roshi
Die Weisheit des Lebens besteht im Ausschalten der unwesentlichen Dinge
Chinesisches Sprichwort
Der Mensch blickt in der Zeit zurück
und sieht: sein Unglück war sein Glück
Eugen Roth
DAS UNSAGBARE VERBIETET NICHTSSAGENDES
Jörg Splett
Ein junger Mann hatte sich auf der Suche nach dem WEG tief im Wald verirrt.
Plötzlich hörte er nicht weit entfernt ein leises Plätschern und entdeckte eine Quelle.
Glücklich folgte er dem Bächlein, das sich aus dieser Quelle ergoß;
denn er hoffte, es werde doch irgendwann den Wald verlassen und in einen Fluß münden.
Dort müßten Menschen anzutreffen sein, die ihm sicher weiterhelfen könnten.
Tatsächlich stand er nach langem Marsch am Ufer eines Flusses.
Und tatsächlich war jenseits gerade ein alter Mann damit beschäftigt, Schwemmholz einzusammeln.
“He du”, rief er dem Alten zu, “kannst du mir sagen, wie ich auf die andere Seite komme?”
Nach einer kurzen Weile rief der zurück: “Du b i s t auf der anderen Seite!” —–
Ein fernöstliches Sprichwort sagt:
“Du kommst erst dann auf der anderen Seite an,
wenn du erkennst, daß es keine andere gibt”
Selbst wenn du so viele Bücher verschlingst,
wie es Sandkörner im Ganges gibt,
das ist doch alles nicht so viel wert
wie das wirkliche Erfassen eines einzigen Zen-Verses.
Wenn du das Geheimnis wissen möchtest,
hier ist es:
Alle Dinge sind im Herzen.
Ryokan
sondern im Widerspruch zu unserem Wissen von der Natur.
Augustinus
Der Ärger ist eine Flamme im Herzen,
die leicht ein ganzes Kloster niederbrennt.
Du willst dem Bodhisattva-Weg folgen?
Versöhnlichkeit bewahrt dein Wahres Herz!
Hanshan
dessen Wort vollendet sich nicht.
Wer aber mit Gott reden will, ohne mit den Menschen zu reden,
dessen Wort geht in die Irre.
Martin Buber
BAUMZEIT
die Eiche steht
an ihrer Stelle
steht die Zeit
LEERER SPIEGEL
Nichts spiegelt sich
im Wasser
als ich
werden sie niemals zufrieden sein.
Wenn du sie Zufriedenheit lehrst,
werden sie auf ganz natürliche Weise
alles Erreichbare erreichen.
aus: William Martin “Das Tao Te King für Eltern”

Hotei
Jeder Tag bringt
mehr Fakten,
mehr Krimskrams,
mehr Aktionen,
mehr Wünsche
und mehr Verwirrung.
Deine Aufgabe liegt im Reduzieren.
Versuche jeden Tag, etwas zu entfernen,
zu klären,
zu vereinfachen.
Die Weisheit der Gesellschaft lautet „mehr”
und die Verwirrung wächst.
Die Weisheit des TAO lautet „weniger”
und die Gelassenheit kehrt ein.
William Martin
“ABBA PIOR”, SO SPRACH ABBA POIMEN,
“MACHTE AN JEDEM TAG EINEN GANZ NEUEN ANFANG”.
aus “Den Wüstenvätern”
Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg.
Was wir Weg nennen,
ist Zögern.
Franz Kafka
Ohne ein sehr langes Training und schier unerträglich harte Arbeit kann der höchste, geheimnisvolle Buddha-Weg nicht beschritten werden.
Niemals kann man ES erreichen mit Eigendünkel, schwächlicher Tugend,
oberflächlicher Weisheit und halbherzigem Einsatz.
Bodhidharma
Ich kümmere mich nicht mehr den ganzen Tag um Erleuchtung,
und daher wache ich am Morgen ausgeschlafen auf.
Bankei
Absichtslos besucht der Schmetterlig die Blüten.
Wenn die Blume blüht, kommt der Schmetterling;
Wenn der Schmetterling kommt, blüht die Blume.
Ich “weiß nichts” von anderen,
Die anderen “wissen nichts” von mir.
Nichts-wissend voneinander
Folgen wir natürlich dem WEG.
aus: Ryokan, Eine Schale – ein Gewand
Es fällt beizeiten
so leicht und mühelos
vom Mohn die Blüte…
Etsujin
Besänftigt und gefaßt
laßt uns erwachen zum wahren Selbst,
völlig Erbarmende werden,
völlig unsere Fähigkeiten nützen,
wie immer es unserer Berufung entspricht;
das Leiden erkennen
von Menschen und Gesellschaft
und die Wurzeln des Leidens;
die richtige Richtung erfassen,
wohin die Geschichte gehen soll.
Wir reichen einander die Hände,
miteinander verwandt,
weit jenseits der Unterschiede
von Rasse, Nation und Klasse;
laßt uns voll Mitgefühl geloben,
daß wir unser tiefes Verlangen verwirklichen
und eine Welt gestalten,
in der alle leben können
in Wahrheit und Fülle.
Shin’ichi Hisamatsu
Wer sich im Zen schult, soll 24 Stunden am Tag innerlich still sein. Wenn du nichts zu tun hast, so übe das Sitzen in Stille, laß den Geist wach und den Körper in Ruhe sein.
Bist du darin gründlich geübt, werden Körper und Geist ganz ohne Zutun friedlich und in Ruhe sein, und nun hat dein Zen Richtung gewonnen.
Meister Dahui
Schüler: “Ich erbitte eure Belehrung, Meister.”
Meister: “A B C D E.”
Schüler: “Das verstehe ich nicht.”
Meister: “F G H I J K.”
Ein Mönch fragte einst den Meister: “Alle staubigen Gedanken und irrigen Meinungen sind schwer zu unterdrücken. Wie soll ich sie unterdrücken?”
Der Meister: “Der Versuch als solcher ist schon ein staubiger Gedanke.”
Halte dein Herz rein und offen,
Und du wirst niemals gebunden sein.
Doch ein einziger aufwühlender Gedanke
Erzeugt zehntausend quälende Verwirrungen.
Laß dich von unzähligen Dingen fesseln,
Und du gehst tiefer und tiefer in die Irre.
Wie schmerzlich doch, Menschen zu sehen,
So völlig verstrickt in sich selbst.
Ryokan
Einem, der ihn brach,
schenkt er dennoch seinen Duft –
Pflaumenblütenzweig!
Kago no Chiyo
subjektiven Unterscheidens, des Anhaftens und Zurückweisens wachsen plötzlich
lauter Hörner an deinem Kopf, und du wirst von den 10.000 Dingen unentwegt
hierhin und dahin gezerrt und kannst nicht frei und unabhängig sein.
Meister Yuansou
Das Meer auszutrinken und einen Berg auf den Kopf zu stellen, das ist für
Zenübende etwas ganz Gewöhnliches.
Meister Huanglong
Wenn euch jemand bittet, euer wahres Selbst zu zeigen, dann müsst ihr imstande
sein, einen Schreibstift hochzuhalten und zu sagen: “Das bin ich!”
Yamada Koun Roshi
ist, befreit oder nicht?”
Joshu antwortete: “Er ist nicht befreit”.
“Warum nicht?”
“Weil er innerhalb von gut und böse ist”.
Meister Sengai, gefragt, worin das Glück des Lebens bestehe, sagte: “Der Vater
stirbt, der Sohn stirbt, der Enkel stirbt”.
“Das soll Glück bedeuten?”
“Ja”, sagte Sengai, “oder wäre es besser, dein Sohn stürbe vor dir oder dein
Enkel vor deinem Sohn? Das Leben hat seinen Gang, und mitzugehen ist Glück.”
Es müßte Zeitungen geben, die immer das mitteilen, was nicht ist:
Keine Cholera! Kein Krieg! Keine Revolution! Keine Missernte!
Die tägliche Freude über die Abwesenheit großer Übel würde zweifellos
die Menschen fröhlicher machen.
Christian Morgenstern
Einst kam ein Mann zu Buddha. Wie wir auch hatte er einige Probleme in seinem Leben und hoffte, Buddha könne ihm helfen.
Er erzählte, daß er Bauer sei, ein guter Bauer, aber manchmal würde es einfach nicht genug regnen. „Letztes Jahr sind wir fast verhungert deshalb!“
Buddha hörte dem Mann voll Mitleid zu.
„Ich habe auch einige Probleme mit meiner Familie“, sagte der Mann. „Meine Frau ist eine gute Frau, aber manchmal keift sei schrecklich, und dann verliere ich meine Geduld, und wir streiten heftig.
Und dann habe ich eine Bruder, der versucht sich immer wieder Geld zu borgen, aber er ist nicht bereit, mir bei der Ernte zu helfen. Manchmal bin ich darüber so wütend, daß wir uns schlagen.
Und dann ist da noch das Problem meiner…..“
Der Mann fuhr in dieser Weise fort, seinen Ärger und noch weitere Probleme auszubreiten. Als er schließlich genug Dampf abgelassen hatte, schaute er Buddha fragend an: „Und jetzt?“
Buddha antwortete: „Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.“
„Was soll das heißen, du kannst mir nicht helfen?“
„Jedermann hat Probleme“ entgegnete Buddha, in der Tat, wir alle haben 83 Probleme. Du hast 83 Probleme, ich habe 83 Probleme, und daran können weder du noch ich etwas ändern. Wenn du fest an deinen Problemen arbeitest, kann es sein, daß du einmal eines lösen kannst. Aber sobald du es gelöst hast, wird sich ein anderes erheben. Du bemühst dich, das Regenproblem zu lösen; du hast einen Weg gefunden die Felder zu bewässern, wunderbar. Schon aber kommt der Monsun und überflutet deine Felder und spült das Getreide fort. Beim besten Willen kann ich dir bei deinen Problemen nicht helfen.“
„Ich dachte, du könntest jedem helfen. Für wen ist denn dann Deine Lehre gut?“
Buddha sagte: „Es kann sein, daß sie dir durch das 84. Problem hilft!“
„Das 84. Problem? Ich dachte, es gibt nur 83. Was ist denn das 84. Problem?“
„Das 84. Problem ist, daß du keine Probleme haben willst!“
von Clark Rattcliff, veröffentlicht in: Newsletter der Honolulu Diamond Sangha
TAO TE KING Nr. 24
Wer auf Zehenspitzen steht,
steht nicht fest.
Wer vorauseilt,
kommt nicht weit.
Wer sich hervortun will,
verdunkelt sein eigenes Licht.
Wer sich selbst erklärt,
weiß nicht, wer er wirklich ist.
Wer Macht über andere ausübt,
kennt seine innere Kraft nicht.
Wer sich an seine Arbeit klammert,
kann nichts von Dauer schaffen.
Wenn du im Einklang mit dem TAO leben willst,
tu, was zu tun ist, dann lass los.
Lehren der Meister
Das Leben des Menschen hat seine Wechselfälle. Es ist nicht notwendig, das Handeln abzulehnen und die Stille zu suchen – mach dich einfach innerlich leer und bring dich in Übereinstimmung mit dem Äußeren. Dann wirst du auch im hektischen Treiben der Welt in Frieden sein.
Das ist alles
Ein Meister der Teezeremonie hatte einen Amerikaner zu Gast. Der Meister hatte ihm den Tee bereitet, beide tranken, dann sagte der Amerikaner: “Nun erklären Sie mir doch bitte ganz genau, wie und warum alles so gemacht werden muß, wie Sie es gerade getan haben.”
Der Meister darauf: “Hat Ihnen der Tee geschmeckt?”
Der Amerikaner: “Oh, ausgezeichnet!”
“Das ist alles” erwiderte der Meister.
Wenn Seele still, ganzer Mensch still. Dann Weltfrieden.
Nagaya Roshi
Für den Frühling ist alles bereit: der Mond und der Pflaumenbaum
Basho

Statue des sitzenden Buddha in Kamakura
Versage dir nicht das Glück des heutigen Tages;
an der Lust, die dir zusteht, geh nicht vorbei!
Sirach 14,14
Im Zen ist es erforderlich, den Geist zu öffnen und
falsches Erkennen und falsche Anschauungen abzulegen.
Wenn nichts an deinem Geist hängenbleibt und du ganz ledig hindurchkommst,
kann das Werk der Verfeinerung beginnen.
Meister Yuanwu
Je stärker das Bewußtsein verfeinert wird,
desto größer wird seine Übereinstimmung mit der natürlichen Welt.
XIV. Dalai Lama
Zum Neuen Jahr
So sollst du die flüchtige Welt betrachten:
Ein Stern in der Morgendämmerung,
eine Luftblase im Fluss,
ein Blitz in einer Sommerwolke,
ein flackerndes Licht, ein Phantom, ein Traum.
aus dem Diamant-Sutra
Auch am Neujahrstag
dreht die Erde sich herum -
auch am Neujahrstag
Wafu
daß es in unserer Weltstunde
überhaupt nicht darauf ankommt,
feste Lehre zu besitzen,
sondern darauf,
ewige Wirklichkeit zu erkennen
und aus ihrer Kraft
gegenwärtiger Wirklichkeit
standzuhalten.
Es ist in dieser Wüstennacht
kein Weg zu zeigen.
Es ist zu helfen,
mit bereiter Seele zu beharren,
bis der Morgen dämmert
und ein Weg sichtbar wird,
wo ihn niemand ahnte.
aus: Martin Buber, Gog und Magog, 1943
Wer das Lernen praktiziert,
Der gewinnt von Tag zu Tag hinzu.
Wer sich übt auf dem WEG,
Der verliert von Tag zu Tag.
Er verliert – und verliert selbst noch das Verlieren,
Bis er anlangt beim Nichttun,
In dem nichts ungetan bleibt.
Laotse
Mit 24 Jahren ging Dogen nach China, um dort das wahre Zen zu suchen. Aber er fand es nicht. An einem heißen Sommertag, als er schon Vorbereitungen für die Rückreise nach Japan traf, sah er vor einem kleinen Tempel einen alten Mönch sitzen, der damit beschäftigt war, Pilze zum Trocknen auszulegen. Es war wirklich glühend heiß, deshalb fragte Dogen: “Warum arbeitet Ihr so schwer? Ihr seid ein alter Mönch, und noch dazu ein Würdenträger. Warum fordert man nicht die jungen Mönche auf, diese Arbeit zu verrichten? Und weil es heute so heiß ist, warum wartet man nicht einen milderen Tag ab?”
“Ihr kommt aus Japan”, antwortete der alte Mönch, “Ihr scheint mir ein gutmütiger junger Mann zu sein. Ihr kennt den Buddhismus, aber Ihr kennt noch nicht das Wesen des Zen. Ein anderer ist nicht ich, und ich bin nicht ein anderer. Ein anderer kann nicht die Erfahrung meiner Handlung machen. Wenn ich nicht selbst übe, kann ich nicht verstehen. Ich muß meine eigene Erfahrung des Pilzetrocknens machen. Außerdem muß ich sie hier und jetzt machen; denn dazu muß es heiß und trocken sein, und das ist es heute.”
Diese Welt der Tautropfen.
Es mag ein Tautropfen sein
und dennoch - dennoch.
Issa
denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte,
denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Gedanken,
denn er wird dein Schicksal.
Talmud
Die Dinge haben nur das Gewicht, das wir ihnen geben.
Calvino
Wenn Buddha nicht gesucht wird, gibt es keinen Buddha, der zu finden wäre.
Huang-po
Worauf ich euch hinweise, ist nur dies:
Laßt euch nicht von anderen irremachen. Handelt, wenn es für euch erforderlich ist, ohne Zögern und Zweifel.
Die heutigen Menschen können das nicht - woran gebricht es ihnen? Es gebricht ihnen an Selbstvertrauen.
Wenn ihr euch nicht selbst vertrauen könnt, werdet ihr kopflos: ihr rennt allen möglichen Dingen nach und laßt euch von ihnen beeinflussen. So könnt ihr eure Unabhängigkeit nicht bewahren.
Wer sich wahrhaft schult, soll echtes, wahres Sehen und Verstehen suchen. Dann seid ihr frei, zu gehen oder zu bleiben.
Ihr braucht keine Wunder zu suchen, denn Wunder kommen von selbst.
Meister Rinzai
Es geht nicht darum, ein fertiges Produkt vor uns hingestellt zu bekommen, sondern jeweils so viel, daß wir einen Weg gehen und darin selber etwas zum Geheimnis und zur Größe der Welt beitragen können. Ich würde sagen, es ist uns genug gegeben, um leben zu können. Und die Grenze unseres Erkennens ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Geschenk. Es führt uns in das Abenteuer des Weitergehens, des Erlernens hinein, in dem unsere Maße wachsen.
Joseph Kardinal Ratzinger
Tag für Tag prüfen die Priester genauestens das Dharma,
Unaufhörlich rezitieren sie vertrackte Sutren.
Doch zuvor hätten sie lernen sollen, zu lesen
in den Liebesbriefen von Wind, Regen, Schnee und Mond.
Ikkyu Shjun
klar und angenehm,
in leisem und ruhigem Tonfall gesprochen,
und mögen sie weder Haß noch Begierde zum Ausdruck bringen.
Shantideva
Als Kind wusste ich:
Jeder Schmetterling
den ich rette
jede Schnecke
und jede Spinne
und jede Mücke
jeder Ohrwurm
und jeder Regenwurm
wird kommen und weinen
wenn ich begraben werde
Einmal von mir gerettet
muß keines mehr sterben
Alle werden sie kommen
zu meinem Begräbnis
Als ich dann groß wurde
erkannte ich:
Das ist Unsinn
Keines wird kommen
ich überlebe sie alle
Jetzt im Alter
frage ich: Wenn ich sie aber
rette bis ganz zuletzt
kommen doch vielleicht zwei oder drei?
Erich Fried
Aus dem Besitzenwollen entsteht Mangel,
aus dem Nichtanhaften entsteht Zufriedenheit.
Kalu Rinpoche
Wenn das Herz sich als erregt erweist,
als spöttisch, stolz, überheblich,
anklagend, gehässig, arglistig, lobhungrig,
verächtlich, grob, zänkisch,
dann gilt es unbeweglich zu verharren wie ein Holzklotz.
Shantideva
Was gibt es zu gewinnen?
Was gibt es zu verlieren?
Wenn wir es gewinnen,
war es schon von Anfang an da.
Wenn wir es verlieren,
ist es ganz in der Nähe verborgen.
Ryokan
folgendem Gebet begonnen haben:
Herr, setze dem Überfluß Grenzen und laß die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den (Ehe-)Frauen das letzte Wort und erinnere die (Ehe-)Männer an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, daß wir alle in den Himmel kommen, aber nicht sofort!
Der heilige Jakob war mit einem Schüler unterwegs in den Bergen.
Als es dämmerte, errichteten sie ihr Zelt und fielen müde in den Schlaf.
Vor dem Morgengrauen wachte Jakob auf und weckte seinen Schüler.
„Öffne deine Augen“, sagt er, „und schau auf zum Himmel. Was siehst du da?“
„Ich sehe Sterne, Vater“, antwortete der schlaftrunken. „Unendlich viele Sterne“.
„Und was sagt dir das?“, fragte Jakob.
Der Schüler dachte einen Augenblick nach.
„Daß Gott, der Herr, das große Weltall mit all seinen Sternen geschaffen hat. Ich schaue hinauf in den Himmel und fühle mich dankbar und demütig angesichts dieser unendlichen Welten. Wie klein ist doch der Mensch, und wie wunderbar sind die Werke Gottes.“
„Ach, Junge“, stöhnte Jakob. „Mir sagt es, daß jemand unser Zelt gestohlen hat!“
Man nehme 12 Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst, und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile, so daß der Vorrat genau für ein Jahr reicht. Es wird ein jeder Tag einzeln angerichtet aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor. Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt. Dann wird das Ganze sehr reichlich mit Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit einem Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit!
Goethes Mutter 1808
Zu welchem Ufer willst du gelangen, mein Herz?
Es gibt keinen Weg und niemand,
der dir vorangeht.
Was heißt schon Kommen und Gehen?
An jenem Ufer kein Boot und kein Fährmann
das Boot zu verankern.
Da gibt es weder Himmel noch Erde,
weder Zeit noch irgendein Ding,
kein Ufer und keine Küste.
Bedenke es wohl, mein Herz!
Gehe nicht anderswohin.
Kabir
„Erkennen heißt nicht zerlegen, auch nicht erklären.
Es heißt, Zugang zur Schau finden.
Aber um zu schauen, muß man erst teilnehmen.
Das ist eine harte Lehre.“
Antoine de Saint-Exupery
Das einzig Gute an jedem Menschen ist das, was er nicht weiß.
Wie schwierig ist es, man selbst zu sein und nur zu sehen, was sichtbar ist!
Ich war glücklich, weil ich nichts forderte und nichts zu finden suchte und fand, daß es nichts zu
erklären gab und das Wort ‚Erklärung’ keinen Sinn hatte.
Alle Dinge, die wir sehen, müssen wir immer wieder zum ersten Mal sehen, weil wir sie jetzt ja
tatsächlich zum ersten Mal sehen.
Schüler: „Was sagt dir der wehende Wind?“
Meister: „Daß er Wind ist und daß er weht.. Und was sagt er dir?“
Schüler: „Noch so manches mehr. Er spricht mir von vielen anderen Dingen. Von Erinnerungen
und Sehnsucht und Dingen, die nie gewesen sind.“
Meister: „Du hast den Wind nie wehen gehört. Der Wind erzählt nur vom Wind. Was du ihn sagen
hörtest, war Lüge, und diese Lüge ist in dir.“
(diese Zitate stammen von Fernando Pessoa, einem portugiesischen Dichter, 1888-1935, aus seinem Buch „Alberto Caeiro, Poesia-Poesie“. Ammann-Verlag Zürich 2004)
Sagt einer: ich habe dreihundert Contos verdient,
Und ein anderer: ich hatte dreitausend glanzvolle Tage,
Und wieder einer sagt: es ging mir gut mit meinem Gewissen und das genügt…
Und ich, wenn sie dort erscheinen und mich fragen, was ich gemacht habe,
Werde sagen: ich habe die Dinge betrachtet und nichts sonst.
Und deshalb trage ich hier das Universum in meiner Hosentasche.
Und wenn Gott mich fragt: und was hast du gesehen in den Dingen?
Antworte ich: nur die Dinge… Du hast nicht mehr in sie hineingelegt.
Und Gott, der meiner Meinung ist, wird eine neue Art von Heiligem aus mir machen.
Fernando Pessoa
DIE PREDIGT
Franz von Assisi schlug eines Tages einem seiner jungen Mönche vor, sie wollten in die Stadt gehen und dort den Leuten predigen. So machten sie sich auf den Weg nach Assisi, und sie gingen über die Straßen und über den Marktplatz und unterhielten sich dabei über ihre geistlichen Erfahrungen und Erkenntnisse.
Erst als sie wieder auf dem Weg nach Hause waren, rief der junge Mönch erschrocken: „Aber Vater, wir haben vergessen, den Leuten zu predigen!“
Franz von Assisi legte lächelnd die Hand auf die Schulter des jungen Mannes. „Wir haben die ganze Zeit nichts anderes getan, mein Sohn“, antwortete er. „Wir wurden beobachtet, und Teile unseres Gesprächs wurden mitgehört. Unsere Gesichter und unser Verhalten wurden gesehen. So haben wir gepredigt.“
Dann fügte er hinzu: „Merke dir, mein Sohn, es hat keinen Sinn, zu gehen, um zu predigen, wenn wir nicht beim Gehen predigen.“
Legende
Das Wahre ist einfach und gibt wenig zu tun.
Das Falsche gibt Gelegenheit, Zeit und Kräfte zu zersplittern.
Goethe
WARTEN
Warten ist das Gesetz der Natur.
Warten auf das, was uns beschieden ist, aber von uns nicht entschieden wird.
Beim Warten kann man nichts tun, während alles geschieht.
Im Warten treffen sich Machtlosigkeit und höchste Beteiligung.
Warten konfrontiert uns mit uns selbst.
Wo kein Warten mehr, wo immer sofort Befriedigung, bleiben wir an der Oberfläche und kommen nicht tiefer.
Wenn du verblendet und voller Zweifel bist,
helfen selbst tausend heilige Schriften dem nicht ab.
Hast du aber das Begreifen verwirklicht,
so ist ein Wort schon zu viel.
Meister Fenyang
Wenn du suchst – was ist das anderes als Schall und Formen nachzujagen?
Wenn du nicht suchst – worin unterscheidest du dich dann von Erde, Holz und Stein?
Du musst suchen, ohne zu suchen.
Meister Foyan
Wenn die Leute dir etwas ankreiden, dich in schlechtes Licht zu setzen versuchen…, so tritt einfach einen Schritt zurück und beobachte dich selbst.
Hege keine Abneigung, laß dich auf keinen Streit ein und sei nicht aufgebracht, wütend oder hasserfüllt.
Geh einfach hindurch und sei, als hättest du es nie gehört oder gesehen. Dann verschwinden böswillige Störenfriede irgendwann von selbst.
Legst du dich mit ihnen an, so gehen böse Worte hin und her, und es hat dessen kein Ende.
Meister Yuanwu
Der Buddhismus ist eine leicht zu verstehende Lehre, die die Kräfte nicht überfordert. Doch die Menschen machen sich selbst allerlei Mühe.
Die Alten sahen die Hilflosigkeit der Menschen und lehrten sie, in Stille zu sitzen. Das war ein guter Rat.
Doch später verstanden die Menschen nicht mehr, was die Alten meinten. Sie schlossen die Augen, unterdrückten Körper und Geist und saßen wie Erdklumpen da, wartend auf die Erleuchtung.
Wie töricht!
Meister Foyan
Denk nicht über vergangene Ereignisse nach, seien sie gut oder schlecht; denn wenn du über sie nachdenkst, wird das ein Hindernis auf dem Weg.
Versuche nicht, Künftiges zu berechnen; denn wenn du berechnest, verfängst du dich in Wahngebilden.
Hefte deine Aufmerksamkeit nicht auf Gegenwärtiges, sei es unangenehm oder angenehm; denn heftest du deine Aufmerksamkeit darauf, wird es deinen Geist verwirren.
Geh nur mit allem so um, wie es sich gerade zuträgt, und du wirst ohne weiteres Zutun mit allem in Übereinstimmung sein.
Meister Dahui
Bereitsein war alles
Um mich vorzubereiten
auf die Belagerer
lernte ich
mein Herz immer kürzer zu halten
Das dauerte lange
Jetzt nach Jahren der Übung
versagt mein Herz
und ich sehe im Sterben das Land
als hätte nur ich
mich belagert
von innen
und hätte gesiegt:
Alles leer
Weit und breit
keine Sturmleitern
keine Feinde
Erich Fried